Warm-up für den 1.Mai, im Sauerland!

Ein Bericht, weitere Bilder und Links zu Medienberichten über die Demonstration in Meschede gibts auf Indymedia. Und hier gibts unseren Redebeitrag:
Everybody Dance Now (C+C music)
Nach Jahren in denen bei AntifaschistInnen in NRW eine gewisse Lethargie herrschte, scheint sich in den letzten Monaten wieder einiges zu bewegen.
Zahlreiche Antifa-Gruppen entstehen und von diesen Gruppen gehen vielfältige Aktivitäten aus. Demonstrationen werden veranstaltet, Soli-Partys für dies und jenes organisiert und auch im Internet sind die jungen Antifas aktiv.
Erstmal finden wir es sehr sympathisch wenn Menschen sich engagieren und versuchen ihren Antifaschismus und ihre Kritik an der kapitalistischen Totalität auch praktisch zu artikulieren. Allerdings sehen wir verschiedene Problemfelder mit diesem Aktivismus verbunden.
Ein Problemfeld dürfte eigentlich recht leicht zu beheben sein. Es handelt sich dabei um den Schutz der eigenen Strukturen, ein Großteil der Kommunikation findet heute im Internet statt, dass ist auch sehr Begrüßenswert. Wenn aber in Punk-Communitys und über Myspace eigentlich interne Informationen verbreitet werden.
Oder offensichtliche AntifaschistInnen ihre Profile mit Portrait- und Gruppenfotos ausstatten ist ein Problem vorhanden. Durch so ein Verhalten schaden die Leute nicht nur sich selbst, in dem sie der Anti-Antifa die Arbeit abnehmen, sie Gefährden auch ihre Gruppenstrukturen und machen diese leichter angreifbar für staatliche Stellen.
Uns geht es hierbei nicht um eine generelle Ablehnung von Myspace oder anderen Internet-Communitys, auch haben wir nicht die Illusion von einer absolut sicheren Kommunikation. Aber die Benutzung von PGP und anderer Sicherheissoftware und eine anonyme Nutzung von Foren, Communitys u.s.w. macht es für die Repressionsorgane und Nazis um einiges schwieriger einen Einblick in linke Strukturen zu erhalten.
Intellektuell ist Strange (Rampue)
Das zweite Problemfeld, das wir sehen ist um einiges komplexer, hier geht es uns um die Inhalte. Viele der neuen Gruppen sind wie schon gesagt äußerst aktiv, diese Aktivitäten sind aber oft nicht inhaltlich begründet und eine theoretische Auseinandersetzung mit komplexeren Themen findet teilweise gar nicht statt.
Für eine emanzipatorische Linke gibt es gewisse Mindeststandards die es zu erfüllen gilt. So ist eine personalisierte Kapitalismuskritik, die den Kapitalismus nicht in seiner Totalität anerkennt in jedem Fall verkürzt, da sie die Strukturen des Kapitalismus nicht analysiert und deswegen Zusammenhänge weder darstellen noch begreifen kann. Eine solche „Kritik“ bietet auch Anschluss für einen rechten Antikapitalismus, in dem es zu einer Trennung zwischen „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital kommt.
Ähnliche Erklärungsansätze für die kapitalistischen Verhältnisse sind auch bei vermeintlich Linken zu beobachten. Eine solche „Kritik“ verkennt aber das, dass Problem im Kapitalismus als gesellschaftlichem Verhältnis an sich liegt.
Eine „Kapitalismuskritik“ die in Finanz- und Produktionssphäre trennt hat außerdem immer Anknüpfungspunkte für reaktionäre Elemente. So geht diese Kritik oft mit antiamerikanischen Ressentiments einher, in denen z.B. Georg W. Bush mit Adolf Hitler gleichgesetzt wird oder MC Donalds boykotiert wird. So etwas steht in keinem Zusammenhang mit einer emanzipatorischen Kritik, sondern bietet weitere Anschlussmöglichkeiten z.B. für Antisemiten und Antizionisten.
Für eine radikale Linke, die diesen Namen auch verdient, ist es immer notwendig Antisemitismus und Antizionismus zu bekämpfen, die Solidarität mit Israel, dem Staat der Holocaustüberlebenden sollte zu den linken Standards gehören. Schließlich ist Israel der einzige Staat, der den von Antisemitismus verfolgten einen notwendigen Schutzraum bietet.
Im Gegensatz zu einigen Linken die sich damit beschäftigen die Weltpolitik zu kommentieren und sich auf der einen oder anderen Seite eines Konfliktes zu positionieren, ist es uns weiterhin wichtig unsere Kritik auf die Straße zu tragen.
Es ist aber nur mit einer ausreichenden theoretischen Grundlage möglich die eigenen Positionen offensiv in die Öffentlichkeit zu tragen, dabei wollen wir eine Kritik und Praxis entwickeln die es möglich macht den Kapitalismus auf der Höhe der Zeit und in seiner Totalität anzugreifen.
Dafür ist, eine gewisse Organisierung bzw. Vernetzung der radikalen Linken unbedingt notwendig. Eine Organisierung hat praktische Vorteile, so können durch Sie kleinere Gruppen strukturell unterstützt werden und auch für größere Gruppen ist es in einem organisierten Rahmen einfacher aktiv zu werden außerdem ist es so leichter möglich gewisse Informationen zu verbreiten. Auch die theoretischen Auseinandersetzungen von verschiedenen Gruppen können so einfacher geführt werden und es können gemeinsame Positionen entwickelt werden, die dann gemeinsam artikuliert werden. Für die derzeit marginalisierte Linke besteht in einer Vernetzung die einzige Möglichkeit mit eigenen Inhalten in die Öffentlichkeit zu treten.
Für den Kommunismus!
Im April 2008
Emanzipatorische Lüdenscheider AntifaschistInnen – [ELA]
organisiert im …ums Ganze Bündnis
www.emanzipatorische-antifaschisten.tk
Weiterführende Links zu verschiedenen Themen:
Antifa-NRW (Vernetzung)
Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft
Phase2 – Zeitschrift gegen die Realität
Sinistra – Der Hauptfeind ist Deutschland
AFB Leipzig – Antiamerikanismus ist kein Antikapitalismus
Mad Köln – Antifa 2006 – Teil des Kampfes ums Ganze oder konformistische Rebellion?
Außerdem sei an dieser Stelle noch auf die große und gute Vortrags-Sammlung auf dem Riotpropaganda Blog hingewiesen.
Wir freuen uns sehr auf Reaktionen von anderen Gruppen, um in einen Diskussionsprozess zu kommen…