Archiv für August 2009

Dortmund – LET PEACE COME!

LET PEACE COME!
Aufruf gegen den Naziaufmarsch am Antikriegstag in Dortmund

Der autonome Neonazismus, wie er sich am 5.9 in Dortmund unter dem Motto „Gegen imperialistische Kriegstreiberei und Aggressionskriege“
anlässlich des Antikriegstages auf der Straße präsentieren wird, steht
für eine militante und reaktionäre Form der Kritik an der bürgerlichen
Gesellschaft und ihren Erscheinungen. Zentrale ideologische Elemente
ihres Aufrufstextes sind völkischer Nationalismus und Antiliberalismus,
reaktionärer Antikapitalismus und Antiimperialismus sowie
Antiamerikanismus und Antizionismus.
Der „sozialrevolutionäre“ Gestus ist allerdings nicht neu, sondern steht
in der Tradition zahlreicher revisionistischer, faschistischer und
nationalsozialistischer Strömungen Deutschlands, Italiens oder
Frankreichs als Verfechter des „Dritten Weges“, deren direkte
Ideologiegeschichte sich bis zur vorletzten Jahrhundertwende
zurückverfolgen lässt.

Dass ideologische Elemente des neonazistischen Antikriegstages
Schnittmengen zur Politik linker sozialer Bewegungen der Welt aufweisen,
wird vom Spektrum der vorbereitenden Gruppen der Gegenproteste von
Linkspartei bis zur Antifa allerdings weitgehend ausgeblendet, wodurch
sich von vornherein die Möglichkeit einer ernsthaften Kritik an dem
ideologischen Gerüst der Nazis verbaut wird.
Dies geschieht nicht aus Zufall: das Phänomen des sozialrevolutionären
Antiimperialismus von Rechts zu fassen und das Verhältnis von „rechtem“
und „linkem“ Ideologiegebäude reflektiert zu betrachten ist linken
Antifaschisten bisher kaum gelungen, würde damit doch der miserable
Zustand der gegenwärtigen antikapitalistischen Bewegungsrhetorik
offenbar. Im Gegenteil: Je „linker“ die Naziparolen klingen, desto
verbissener mobilisieren auch Traditionslinke nach langer Ignoranz der
Dortmunder Naziszene wieder nach Dortmund, um die Hoheit über ihr
vermeintliches geistiges Eigentum zu verteidigen. Dabei findet jedoch
keine Auseinandersetzung darüber statt, warum sich auch ein
Antikriegstag so hervorragend als Anlass für die zentrale bundesweite
Nazidemonstration dieses Spätsommers eignet. Lediglich der Vorwurf dass Nazis sich hinter linken Positionen verstecken würden oder dass eine Friedensdemonstration von Nazis angesichts des Jahrestages des Überfalls auf Polen besonders dreist wäre, wird gebetsmühlenartig wiederholt.
Gleichzeitig wird weit ausgeholt, um das globale Hauen und Stechen
geschichtsdeterministisch als Interessenkonflikt der mal friedfertigen,
mal kriegswütigen etablierten Player abzuleiten, anstatt zum Protest
gegen Nazis – und konsequenterweise auch den weltweit betrachtet
quantitativ weitaus relevanteren islamistischen Bewegungen – als den
schärfsten Feinden liberaler Freiheit und kommunistischer Emanzipation
aufzurufen. Kein Wunder, denn die Linke hat den Sinn für
Internationalismus verloren. Sie kannte Bosnien, Ruanda und
Tschetschenien nie und kennt nicht Sri Lanka, Darfur und Kongo.
Stattdessen stehen Auseinandersetzungen unter Beteiligung der USA oder Israels automatisch im Fokus der allgemeinen und linken Aufmerksamkeit, auch wenn Body Count und andere Abscheulichkeiten in den Kriegen zur Durchsetzung kapitalistischer Vergesellschaftung eher „dezenter“ ausfallen als in anderen zeitgleich ausgetragenen religiösen oder nationalistischen Konflikten, deren Ziel oft Vertreibung oder Vernichtung feindlicher Bevölkerungsgruppen ist.
Auch die Parole „der Hauptfeind ist das eigene Land“, welche Deutschland und seine „Interessen“ zum Dreh- und Angelpunkt für den Zustand der Welt machen will greift analytisch und kritisch zu kurz. Sie benennt nicht das Besondere der postnazistischen deutschen Gesellschaft und schließt vor der Reaktion in der Peripherie die Augen.
Gemessen am Grad kriegerischer Grausamkeit erscheinen die „Polizeispiele“ der Bundeswehr in Afghanistan im Vergleich zum Vorgehen des nigerianischen oder äthiopischen Militärs gegen islamische Milizen und dessen „Kollateralschäden“ lächerlich.
Anders als der Contra-Support der USA im Chile, Nicaragua oder El Salvador der 70er und 80er oder gar Vietnam stünden militärische Interventionen dieser Tage – so politisch, taktisch und moralisch zweifelhaft ihre Durchführung auch sein mag – einer „positiven“ gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr prinzipiell entgegen.
Zahlreiche Konfliktherde, Orte systematischer gruppenbezogener Gewalt, rassistischer Bürgerkriege oder nationalistischer Pogrome lassen
sich nicht allein aus dem krisen- und konflikthaften Charakter des
globalen Kapitalismus oder einseitiger geostrategischer oder
ökonomischer Einflussname westlicher Interessen erklären, sondern sind
im Kontext von nationalistischen und religiösen Ideologien zu bewerten.
Eine pazifistische Antikriegsposition, auf die sich heutzutage gerne
zurückgezogen wird, ist historisch betrachtet zudem nie Teil des
Programms linker, sozialistischer oder kommunistischer Bewegungen oder
Parteien gewesen. Antikriegsagitation war im besten Fall eine Kritik der
„weißen“ Gewalt, im schlechtesten Fall bloße Paktiererei mit jeweiligen
Blockpartnern.

Antiimperialistische Denkblockaden einreißen

Der Antiimperialismus als Gegenbewegung gegen den Westen, gegen
US-Imperialismus oder Zionismus, in deren Reihenfolge auch der
Internationalismus der deutschen Nazis steht, ist eine Sammelideologie
der nichtstaatlichen und staatlichen emanzipationsfeindlichen
Bewegungen, deren Kritik und Niedergang eine Chance für Befreiung von
Nationalismus und Islamismus ermöglichen würde. Der Kampf um die offene Gesellschaft und die Möglichkeit einer Perspektive der Befreiung ist ein ständiger Abwehrkampf gegen Nazis und Islamisten. Gradmesser der Schärfe und Stärke der prinzipiell breiten Anti-Nazi-Bündnisse kann aber nicht der militante Gestus oder gar die Breite der Bündnisse sein, sondern ihr kritischer Gehalt. Wenn es nach uns ginge, sollte die Kritik des nationalistischen, völkischen Antizionismus und Antiamerikanismus, des antiimperialistischen Kampfes gegen Fremdherrschaft der rechten und islamistischen, aber auch leider linken Bewegungen, zu einer Basis antifaschistischer Kritik und Praxis werden.

Let peace come!
Nationalismus und Islamismus bekämpfen!
Die Nazidemo am 5.9 in Dortmund verhindern!

salon des communistes düsseldorf am 20.08.09

Der Aufruf wird bisher unterstützt von: ELA Lüdenscheid, et2c Münster, Freundinnen der befreiten Gesellschaft, Gruppe IKIS

Anti-Hess Feierei

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In Lüdenscheid haben AntifaschistInnen, den 22. Todestag des Hitlerstellvertreter Rudolf Heß, mit einer kleinen Feier begangen.
Bei dem antifaschistischen „Leichenschmaus“, wurde der Nazi-Mythos vom Mord im Gefängniss, mit Hilfe einer Torte ironisch aufgegriffen. Die Veranstaltung war gut besucht und dauert zur Stunde noch an.
Aufgrund der bis auf die lächerliche NPD inaktiven bzw. nicht-existenten Nazi-Szene in Lüdenscheid können es sich Emanzipatorische Linke in dieser Stadt auch mal gut gehen lassen und den Sommer genießen!

Indymedia-Artikel