Archiv für Mai 2010

Zwei peinliche Häuflein

Pro NRW in Lüdenscheid oder wie sich zwei peinliche Häuflein gegenüber stehen.

Am 5.5.2010 war es soweit, Der Pro NRW „Kreuzzug für das Abendland“ erreichte Lüdenscheid. Nachdem den Pro-AnhängerInnen auf ihren vorherigen Stationen beispielsweise in Bielefeld und Dortmund ordentlich zugesetzt worden war versammelten sich in Lüdenscheid ca. 80 GegendemonstrantInnen. Gegen die Rassisten hatten die Lüdenscheider Kampagne „Wir gegen Nazis“ der so ziemlich alles angehört, was in der lokalen Politik und Zivilgesellschaft Rang und Namen hat aufgerufen. Organisationen von der DKP bis zur Jungen Union unterstützen das Bündnis. Eine große Mobilisierung aus diesem Spektrum scheint aber nicht erfolgt zu sein, so daß die Masse der GegendemonstrantInnen dem antiimperialistischen Antifa Spektrum zuzurechnen waren.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Pro NRW scheint von beiden Gruppen nicht geführt worden zu sein. So zeigten die bürgerlichen GegendemonstrantInnen ihr Transparent mit der Aufschrift „Lüdenscheid stellt sich quer“ und von den Antifas wurde eine Palästina-Fahne gezeigt. Ob diese Fahne nun zur Solidarität mit Moslems aufrufen soll oder die AntiimperialistInnen Pro NRW zu einer Stellungnahme zur nationalen Frage in Palästina auffordern wollten bleibt unklar. Auch ein Pappschild mit der Aufschrift „ Muslime Willkommen! Nazis nicht!“ wurde gezeigt.

An diesen Beispielen wird deutlich das eine Kritik sowohl an Pro NRW als auch an den GegendemonstrantInnen notwendig ist. Zur platten rassistischen Hetze der Pro Bewegung braucht mensch nicht viele Worte verlieren. Ein Blick auf die biografischen Hintergründe der meisten Pro Kader zeigt die teilweise jahrzehntelange Verankerung im neonazistischen Spektrum. Auch die Ausrichtung auf ein christliches Abendland und die ständige Hetze gegen eine angebliche Überfremdung zeigt wohin Pro NRW möchte, die Parole „Ausländer raus!“ scheint für Pro einfach nicht modern und bürgerlich genug.
Pro NRW stilisiert sich selbst immer wieder zu einer islamkritischen Kraft hoch und versucht auf diese Art Ängste zu schüren.

Im Gegensatz zu Pro NRW und den antiimperialistischen Antifas halten Wir eine Islamkritik, die diesen Namen auch verdient, für eine Notwendigkeit in einer fortschrittlichen Bewegung. Der islamistische Terror, die Frauenunterdrückung in islamischen Ländern oder auch die antisemitischen Vernichtungsphantasien des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad machen deutlich wie wichtig eine emanzipatorische Islamkritik ist. Gerade Linke, die zumindest in der eigenen Szene den Anspruch haben sexistische, homophobe oder antisemitische Denk- und Verhaltensweisen zu kritisieren dürfen nicht durch einen plumpen Antirassismus diesen Mustern Tür und Tor öffnen.

In diesem Sinne verweisen wir auf zwei ältere Flugblätter, die anläßlich des Pro Köln Kongreß im September 2008 erschienen sind und wünschen uns auch in der Lüdenscheider Linken eine genauere Auseinandersetzung mit dem Islamismus und anderen reaktionären Erscheinungen.

Zum weiterlesen:

Gegen „christliches Abendland“ und Islamismus!

Der Feind meines Feindes ist mein Freund? ProKöln, der Islamismus und das Elend der Volksfront.

Emanzipatorische Lüdenscheider AntifaschistInnen [ELA] im Mai 2010

(Wir empfehlen einen Blick in diese Fotostrecke der Lüdenscheider Nachrichten: http://www.come-on.de/nachrichten/maerkischer-kreis/luedenscheid/demo-rosengarten-749490.html)